Nachhaltigkeit

Was Importwasser mit unserem ökologischen Fußabdruck macht

von Katharina Trautvetter

Etwa 144,3 Liter Mineral- und Heilwasser wurden im Jahr 2017 pro Kopf getrunken. 2000 lag der Durchschnittskonsum noch bei 100,3 Liter pro Kopf und pro Jahr. Quelle: https://unsplash.com | Autor: Jonathan Chng

2017 wurden 1,3 Milliarden Liter Mineralwasser nach Deutschland importiert. Was oft als Trend hochpreisig vermarktet wird, kommt wegen der langen Transportwege in erster Linie die Natur teuer zu stehen.

In einer Studie verglich die ESU-services GmbH, eine auf Ökobilanzen spezialisierte Forschungs- und Beratungsagentur, die Umweltbelastung jeweils von Leitungswasser sowie Mineralwasser aus der Region und aus größerer Distanz. Für den Vergleich rechneten die Experten die gesammelten Daten in Erdöl-Äquivalente um. Die Schweizer resümieren: Vor allem die Produktion der Abfüllgefäße, deren Gewicht und die Transportwege sorgen für sehr unterschiedliche Ökobilanzen. Ein Liter Leitungswasser belastet die Umwelt beispielsweise mit gerade einmal 0,3 Milliliter Erdöl-Äquivalente. Importiertes Mineralwasser dagegen erreicht deutlich höhere Werte. Bei Mineralwasser aus der EU, das in der Schweiz verkauft wird beispielsweise ein Wert von 209 Millilitern. Trotzdem hat es der Trend zu teuren Importmarken mit exotischer Herkunft bis in die Supermarkt-Regale geschafft.

Mineral-Minimalismus

Vor allem amerikanische Stars wie Dwayne Johnson schwören auf Importwasser und loben gar einen geringen Anteil an „Total Dissolved Solids“ (TDS) als Qualitätsmerkmal. Es ist aber nichts anderes als ein besonders mineralarmes Wasser. Gerade einmal 22 Milligramm Mineralstoffe enthält das Trinkwasser einer bekannte Marke aus Norwegen. Mineralien wie Natrium, Magnesium, Kalzium und Hydrogencarbonat sind allerdings essenzielle Geschmacksträger. Ohne sie schmeckt das Wasser nach einem Hauch von Nichts.


Das Lieblingswasser von Mariah Carey stammt von den nicht minder weit entfernten Fidschi-Inseln. Die Palmen und Lotusblüten auf dem Etikett suggerieren exotische Genussmomente. Faktisch hat auch dieses Wasser einen geringen Mineraliengehalt. Der Hersteller wirbt zudem mit der Reinheit und Unberührtheit seiner „artesischen“ (natürlich aus dem Boden hervortretenden) Quelle. Ein logischer Widerspruch, denn sobald eine Quelle als Abfüllort verwendet wird, ist sie nicht mehr vom Menschen unberührt. Der Export wirkt sich zusätzlich negativ auf die Ökobilanz aus.


Aktuell wird ein aus Japan stammendes Mineralwasser als teuerstes Wasser der Welt gehandelt. Doch in seinem Ursprungsland bekommt man das Wasser für einen Euro in jedem Supermarkt. Abgefüllt in einer Plastikflasche. Der hohe Preis von ca. 124 Euro je Liter bei einem Einkauf in Deutschland erklärt sich mit den schwindelerregenden Transportkosten. Der Preis wird zum Symbol für den ökologischen Schaden, den das Produkt verursacht.


Die Verpackung macht den Unterschied

Die Verpackung macht den Unterschied

Entscheidender Faktor für den Grad der Umweltbelastung von Mineralwasser ist neben den Transportwegen vor allem die Verpackung. Quelle: http://palmundenke.de/ | Autor: TapWater Digest

Umweltsünden

Es sind vor allem die langen Transportwege der Importprodukte, die unserer Umwelt schaden. Während regional produziertes Mineralwasser mit 4,9 Milliliter Erdöl-Äquivalenten eine deutlich geringere Belastung aufweist, kosten 1.000 Kilometer Transportweg die Umwelt mehr als 90 Milliliter Erdöl-Äquivalente. Das entspricht etwa der Strecke von Paris nach München oder einer Fahrt von Oberstdorf im Süden nach Flensburg im Norden Deutschlands.


Auch die Verpackung ist ein Problem. Wässer aus dem Ausland werden grundsätzlich in Einwegflaschen importiert. Laut Angabe der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland jede Stunde 1,9 Millionen Einwegplastikflaschen verbraucht, was 45 Millionen Stück pro Tag und mehr als 16 Milliarden im Jahr sind. Die Herstellung dieser Flaschen verbraucht dabei jährlich 480.000 Tonnen Rohöl.

Nach Angaben des NABU gelangen jährlich bis zu zehn Millionen Tonnen Müll in die Meere. Der Anteil von Kunststoffen beträgt etwa 75 Prozent. Quelle: https://pixabay.com | Autor: hhach

Aus Design wird Müll

Egal ob importiert oder aus der Region, ob teuer erworben oder günstig erstanden, am Ende landen alle Einwegflaschen im Müll. 470.000 Tonnen Plastikabfall produzieren sie jährlich. Das Recyclingsystem in Deutschland gilt im weltweiten Vergleich als vorbildlich. Doch wer glaubt, dass die Einwegpfandflaschen 1:1 in neue PET-Flaschen umgewandelt werden, irrt. Zwar wurden laut dem IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. im Jahr 2015 93,6 Prozent der PET-Flaschen recycelt, doch das daraus gewonnene Rezyklat ist von minderwertiger Qualität.


Faktisch werden nur etwas mehr als 30 Prozent der recycelten Kunststoffe für neue Flaschen verwendet. Der Rest wird für die Herstellung von Fleece-Pullovern oder anderen Gebrauchsgegenständen weiterverwertet. 2015 liegt der Rezyklatanteil bei einer PET-Flasche bei durchschnittlich 26 Prozent. Das heißt, dass PET-Flaschen mindestens zu 70 Prozent aus neu produziertem Kunststoffmaterial bestehen, wofür wiederum neues Plastik produziert werden muss. Allerdings bemühen sich viele Hersteller, den Anteil an recyelten Kunstoffen kontinuierlich zu erhöhen.

Fazit: Leitungswasser ist ökologisch die beste Wahl

Vor allem Importwasser haben einen langen Transportweg hinter sich und sind daher eine enorme Belastung für die Umwelt. Auch die durch den Transport nötigen Verpackungen, meist Einwegflaschen, verbrauchen in der Produktion unnötig Ressourcen und sind aufgrund des lückenhaften Recyclingsystems eine potentielle Gefahr für die Natur. Diese lässt sich leicht umgehen: mit Leitungswasser.

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