Plastikfrei Leben

So gelingt der Einkauf ohne Plastik

von Katharina Trautvetter

In speziellen Zero-Waste-Läden ist der plastikfreie Einkauf ein Kinderspiel. Doch wie gelingt er auch im Supermarkt oder beim Discounter? Quelle: https://pixabay.com/ | Autor: StockSnap

Der Einzelhandel ist eine schier unerschöpfliche Quelle für Plastikverpackungen. Oft landen sie bereits beim Einsortieren der Lebensmittel zu Hause in Kühlschrank, Obstschale und Vorratsbox im Müll. Die Plastiktüte, die wir spontan an der Kasse dazu gekauft haben, weil es doch wieder etwas mehr geworden ist, gleich hinterher. Blöd nur, dass man das schlechte Gewissen – man soll ja Plastikmüll vermeiden – nicht genauso leicht wieder loswird. Mit ein paar einfachen Tricks gehören sowohl Plastikflut als auch Gewissensbisse der Vergangenheit an.

Es ist eine dieser Widersprüche unserer Zeit, dass ausgerechnet Bio-Produkte häufig in Plastik verpackt sind. Das hat den praktischen Hintergrund, dass Bio-Ware per Gesetz eindeutig als solche deklariert werden muss und sich nicht mit herkömmlicher Ware vermischen darf. Der Widerspruch bleibt. Vor allem für uns, die wir die Qual der Wahl zwischen weniger Plastikmüll und nachhaltiger Produktion haben. Einige Einzelhandels-Ketten arbeiten an Lösungen, doch bis diese massentauglich sind, gibt es für den Verbraucher ein paar Tricks, das Dilemma zu umgehen.

Einkaufen beim Fachmann

2014 eröffnen Milena Glimbovski und ihr „Original Unverpackt“-Team in Berlin das erste Lebensmittelgeschäft, das einen komplett plastikfreien und unverpackten Einkauf ermöglicht. Die Idee machte Schule und mittlerweile findet man in vielen deutschen Städten Zero-Waste-Geschäfte. Sie sind für die Plastikfrei-Profis die erste Anlaufstelle. Hier gibt es garantiert unverpackte Lebensmittel in biologischer Qualität.


Doch nicht jeder hat so einen Laden um die Ecke und nicht jeder kann es sich leisten, dort regelmäßig seinen Einkauf zu erledigen. Denn die unverpackten, nachhaltigen Produkte sind deutlich teurer als die aus dem Discounter. Eine Alternative bietet der Besuch auf dem Wochenmarkt. Unter der Woche ergänzen Hofläden, Obst- und Gemüsehändler, Metzger und Bäcker die Einkaufsmöglichkeiten. Auch dort sind die Waren entweder gar nicht oder nur in Papier verpackt und oft günstiger als im Zero-Waste-Geschäft, wenn auch nicht immer in Bio-Qualität. Doch wie transportiert man die lose Ware?

Es kommt auf die Tüte an

Während vor einigen Jahren noch der Einkaufskorb ein ständiger Begleiter auf den Einkaufstouren durch die Supermärkte war, sind wir über die Jahre faul geworden und haben uns daran gewöhnt, an der Kasse mit Plastiktüten für unsere Einkäufe versorgt zu werden. Natürlich ist das für den plastikfreien Einkauf keine Option, zumal auch immer mehr Einzelhandelsketten die Plastiktüte abschaffen. Alternativ bieten sie nun Jute-Taschen an, die mehrfach verwendbar sind, in jede Handtasche passen und dabei deutlich länger halten als ihre Kollegen aus Kunststoff.


Nicht nur die eigene Einkaufstasche sollte beim plastikfreien Einkauf immer dabei sein. Für die Plastikfrei-Profis gehören leere Einmachgläser, mehrfach verwendbare Obst- und Gemüsenetze und Gefäße aus Edelstahl zum üblichen Shopping-Inventar. Damit landen Wurst und Käse von der Theke nicht im Wachspapier mit Plastikeinsatz, sondern in der mitgebrachten Box. Spezielle Hygienegesetze verbieten zwar, dass Behältnisse über die Theke gereicht werden, doch es gibt Möglichkeiten dies zu umgehen. In vielen Märkten steht bereits ein spezielles Übergabe-Brett bereit. Dort kann die Box platziert und übergeben werden – oder die Mitarbeiter legen Wurst und Käse mit einer Zange in das mitgebrachte Behältnis.

Grundausstattung für den plastikfreien Einkauf

Jeder hat die Wahl!

Wer in seiner Nachbarschaft einen Zero-Waste-Shop hat und seine Einkäufe auf dem Wochenmarkt erledigen kann, ist fein raus. Doch was tun, wenn man tatsächlich nur einen Discounter in seiner Nähe hat und lange Wege mit dem Auto vermeiden möchte? Hier wird der plastikfreie Einkauf zu einer echten Herausforderung. Klar ist: je biologischer und regionaler und in weniger Plastik verpackt ein Produkt ist, desto besser. Es bleibt nichts anderes übrig, als das Angebot sorgfältig zu sondieren. Das ist am Anfang etwas zeitaufwendig, führt aber – meistens – zum Erfolg.


Obst und Gemüse werden nach wie vor auch lose angeboten, Joghurt gibt es in Pfandgläsern, Leitungswasser ist PET-Flaschen vorzuziehen und, sofern vorhanden, lässt man das Kühlregal links liegen und steuert direkt Fleisch- und Käsetheke an. Manchmal bleibt doch nichts anderes, als entweder die Plastikummantelung in Kauf zu nehmen oder ein alternatives Produkt zu wählen. Das tut nicht weh, hilft aber der Natur.

Fazit: Mit zehn Einkaufs-Tipps zum Plastikfrei-Profi

  • Spontaneinkäufe vermeiden, besser den nächsten Einkauf gut planen
  • Möglichst im Fachhandel oder auf Märkten einkaufen
  • Immer genügend Stoff-Beutel und plastikfreie Behältnisse dabei haben
  • To-Go-Produkte sind ein No-Go!
  • Statt Fertig-Essen frische Zutaten kaufen und selber machen
  • Die Frischetheke dem Kühlregal vorziehen
  • Mehrweg- und Pfandglas statt Plastikflaschen oder Plastikbecher wählen
  • Leitungswasser statt Mineralwasser trinken
  • Mehrfachverpackungen und Einzelportionen im Regal stehen lassen
  • Alternative Produkte wählen, die nicht in Plastik verpackt sind

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