Schongang für die Natur

Ideen für eine nachhaltigere Wassernutzung im Haushalt

von Katharina Raab

Jeden Tag gelangt eine Vielzahl an Tensiden und Mikroplastikpartikeln in die Kanalisation. Quelle: https://pixabay.com/de/ | Autor: moerschy

Der Mensch ist ein reinliches Wesen. Zumindest dort, wo er es sich leisten kann. Wir leben in einer von Desinfektionsmitteln blitzeblank gewischten, raumbedufteten Welt. Unsere Bäder gleichen Wellness-Tempeln, unsere Küchen könnten mühelos jedes „Schöner Wohnen“-Blatt titeln. Überall gilt die Devise: Mit einem Wisch oder Schrubben oder Schleudergang ist alles weg. Ja, der ganze fiese Dreck und ja, leider auch zahllose von Blubberbadezusätzen, Putzmitteln und Tensiden durchwirkte Liter Abwasser. Hygiene ist lebenswichtig, keine Frage. Doch lässt sich das Gebot der Sauberkeit nicht mit etwas mehr Wasserfreundlichkeit erfüllen? Vier futuristische Ideen für einen schonenderen Umgang mit der Ressource Wasser.

121 Liter täglich – diese Menge Trinkwasser verbrauchte jeder Mensch in Deutschland laut Umweltbundesamt 2013 im Schnitt. Nicht nur zum Trinken oder Kochen, sondern vor allem für die Körperpflege, den Toilettengang, zum Geschirrspülen, Wäschewaschen, Blumengießen oder auch zum Putzen. Mehr als 60 Prozent des täglich verbrauchten Wassers fließen dabei für das Duschen und Baden, aber auch den Toilettengang ab. Gar nicht mal so wenig. Doch nicht nur der große Wasserverbrauch ist ein Problem, sondern auch die Belastung der Umwelt durch schwer abbaubare Stoffe wie Reinigungsmittel.

Deshalb wird weltweit an der Umweltfreundlichkeit von Haushaltsgeräten und Sanitäranlagen getüftelt. Waschmaschinen und Geschirrspüler, die ohne Wasser auskommen? Duschen aus dem All?

121 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht der deutsche Durchschnittsbürger – 36 Prozent davon allein, für die Pflege seines Körpers. Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/ | Autor: Statistisches Bundesamt

1) Waschmaschinen ohne Wasser

Natürlich können herkömmliche Waschmaschinen schon jetzt „eco“. Wir wissen, dass wir Energie und Wasser sparen, wenn wir nicht alles bei 60°C  und pro Waschgang nicht nur eine Handvoll T-Shirts waschen. Dennoch frisst Wäschewaschen Energie und vor allem Wasser. Elie Ahovie findet, dass eine Waschmaschine nicht unbedingt Wasser brauchen sollte, um Wäsche zu waschen. Die französische Designerin setzt bei ihrer Idee, die sie erfolgreich beim von Electrolux 2011 ausgeschriebenen Wettbewerb „Die Waschmaschine der Zukunft 2050“ einreichte, stattdessen auf Trockeneis.

Nasse Kleidung auf Wäscheleinen – ein Anblick, der in näherer Zukunft der Vergangenheit angehören könnte, wenn Waschmaschinen Flecken nicht mehr mit Wasser, sondern mit Trockeneis zu Leibe rücken. Quelle: https://unsplash.com | Autor: Erik Witsoe

Ihr Vorschlag klingt wahrhaft futuristisch: Ahovies „Orbit“ besteht weiterhin aus einer Trommel – allerdings aus supraleitfähigem Metall –, die durch Strom innerhalb eines Rings in der Schwebe gehalten werden soll. Statt Wasser soll Trockeneis in die Trommel gefüllt werden, also gefrorenes Kohlendioxid, das, lässt man es in der Trommel zirkulieren, seinen Aggregatzustand von fest zu gasförmig ändert und den Dreck eben nicht aus der Kleidung wäscht, sondern mit enormem Druck und in kürzester Zeit aus den Textilien herausschleudert. Von der Serienreife ist die „Orbit“ noch ein paar Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, entfernt. Der Ansatz ist sicher revolutionär. Nicht zuletzt, weil der Kreislauf der Maschine geschlossen ist, das Trockeneis bzw. das Kohlendioxid also in Endlosschleife genutzt werden kann.

2) Reinigungsmittel Sand

Doch nicht nur der hohe Wasserverbrauch macht das maschinelle Wäschewaschen problematisch. Auch herkömmliche Waschmittel schädigen die Umwelt. Tenside (waschaktive Substanzen), die durch ihre Eigenschaft, die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzen und hartnäckige Fettflecken aus Textilien verdünnisieren, werden aus Erdöl oder chemisch hergestellt. Das Umweltbundesamt stellt fest: „Es gibt keine per se umweltfreundlichen Waschmittel, da Waschmittel grundsätzlich Kläranlagen und Gewässer mit Chemikalien belasten.“ Alternativen müssen her.

Eine Aufgabe, der sich z. B. das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik angenommen hat, das Biotenside aus Pilzen und Bakterien auf Basis nachwachsender Rohstoffe herstellt. Forscher der Universität Kassel aus dem Fachgebiet Chemische Hybridmaterialien hingegen setzen auf gewöhnlichen Quarzsand, um daraus neue und vor allem umweltverträgliche Tenside zu entwickeln, die künftig zentraler Bestandteil von Waschmitteln, Seifen, aber auch Spülmitteln sein können. Noch sind keine Waschmittel mit den umweltfreundlichen Tensiden auf dem Markt erhältlich. Aus Kassel heißt es, es werde noch an der „Prozessoptimierungen für den industriellen Maßstab gefeilt“, um einen wirtschaftlichen Einsatz der neuen Tenside zu ermöglichen.

Die Natur baut auf Sand: Umweltfreundliche Waschmittel mit Tensiden, die aus Quarzsand gewonnen wurden, könnten bald den Markt erobern. Quelle: https://www.unsplash.com/ | Autor: Ben White

3) Duschen wie im All

Hand aufs Herz: Viele von uns stehen zu lange unter der Dusche. Wir tendieren auch dazu, die Wassertemperatur eher auf schön warm denn auf eisig kalt zu regeln. Und wer merkt schon, wenn wir das Wasser nicht abstellen, obwohl wir uns gerade ausgiebig einseifen? Nun, spätestens bei der Verbrauchsanzeige des Wassers kommen diese kleinen Sünden ans Licht. Tatsächlich gehen uns pro Minute unter der laufenden Dusche bis zu 15 Liter Wasser flöten, 150 Liter in nur zehn Minuten.

Wäre doch schön, wenn sich das unerbittliche Ablaufen des Wassers aufhalten ließe, dachte sich wohl auch das schwedische Start-up Orbital Systems. Es hat eine Dusche entwickelt und auf den Markt gebracht, die das genutzte und verunreinigte Wasser filtert und in einem eigenen Wasserkreislauf recycelt. Wer zehn Minuten duscht, verbraucht so nur vier Liter statt 150. Auch die Energiekosten für die Erwärmung des Wassers könnten um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Die Idee zur wasser- und energieschonenden Dusche kam Orbital Systems-Gründer Merhdad Mahdjoubi angeblich, als er für die NASA Designlösungen für eine bemannte Marsmission innovieren sollte.

4) Geschirrspülen mit Gas

Kohlendioxid statt Wasser? Dieses Prinzip könnte nicht nur bei Waschmaschinen funktionieren, sondern auch den Geschirrspüler revolutionieren. Designer aus der Türkei arbeiten an einem Konzept, das Geschirr ohne Wasser säubert. Dieses Mal kommt das Kohlendioxid – ja genau, das ist der Stoff, der für die Verstärkung des Treibhauseffekts verantwortlich zeichnet – nicht in gefrorenem Zustand, sondern als Gas zum Einsatz. Erhitzt auf 31 Grad und bei einem Luftdruck von 74 Bar soll es über wasserähnliche Eigenschaften verfügen, dennoch die Viskosität eines Gases beibehalten. Dieser Prozess sorgt dafür, dass das Geschirr sauber wird. Mit dem Unterschied, dass das im Geschirrspüler der Zukunft gereinigte Geschirr gänzlich trocken bleibt.

Fazit: Technologien der Zukunft

Große Ideen prägen die Zukunft, die zeigen, dass wir nicht zuletzt Alternativen für von Wasser geprägte Technologien und Vorgänge finden müssen. Reinliches Wesen oder nicht, wir ahnen schon heute: Die Ressource Wasser steht uns nicht endlos zur Verfügung, wir sollten also maßvoller und nachhaltiger mit ihr umgehen. Vielleicht motiviert uns dieser Gedanke, wenn wir das nächste Mal die Dusche aufdrehen oder die Waschmaschine einräumen.

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