Umweltpioniere

Hidden Champions des Umweltschutzes

von Michael Bantele

Der Stadtstaat Monaco steht synonym für Reichtum und Luxus. Hinter dieser Glamour-Fassade findet sich ein Vorreiter im Kampf gegen die Verschmutzung der Meere: Fürst Albert II. Quelle: http://www.flickr.com | Autor: United Nations Photo/ Bildausschnitt

In Sachen Umwelt- und Gewässerschutz gehen neben Verbänden, NGOs oder diversen Prominenten auch einige Staaten mit gutem Beispiel voran. Länder, die zu den ärmsten oder zu den kleinsten Staaten der Erde gehören. Wie etwa Ruanda. Der afrikanische Staat gilt dank eines strikten Plastiktütenverbots als eines der saubersten Länder Afrikas. Oder der Zwergstaat Monaco, der mit knapp zwei Quadratkilometern Fläche der drittkleinste Staat der Erde ist. Beim Gewässerschutz nimmt das Fürstentum eine Vorreiterrolle ein. Verantwortlich dafür zeichnet Fürst Albert II von Monaco, der 2018 den Europäischen Kulturpreis erhielt.

In Deutschland verbraucht jeder Mensch im Schnitt 76 Plastiktüten im Jahr. Im kleinen zentralafrikanischen Ruanda ist es dagegen seit 2008 nicht nur verboten, Plastiktüten zu benutzen, sondern auch sie zu importieren, zu produzieren oder gar zu besitzen. Bei einem Verstoß muss man mit einer empfindlichen Strafe rechnen: Neben Geldstrafen drohen bis zu zwölf Monate Gefängnis.  

Saubere Straßen in Ruanda

Ruanda gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von gerade 9,5 Mrd. US-Dollar (Stand: 2018) zu den ärmsten Ländern der Erde und wird in der europäischen Öffentlichkeit bisher nur selten mit nachhaltigem Umweltschutz in Verbindung gebracht. Eher klingen noch die Gräuel des Völkermords an den Tutsi 1994 in der öffentlichen Wahrnehmung nach. Der kleine ostafrikanische Staat hat es geschafft, binnen zehn Jahren Plastiktüten aus dem Alltag gänzlich zu verbannen. Das Ergebnis: Ist man in vielen anderen afrikanischen Staaten den Anblick von Müll am Straßenrand gewöhnt, sind hier nicht nur die Straßen der Hauptstadt Kigali makellos sauber. Selbst in den Hinterhöfen auf dem Land ist kein Unrat zu finden.


Die Regierung Ruandas setzt im Kampf gegen Plastik aber nicht allein auf die Kraft des Gesetzes. Sie unterstützt den Prozess auch durch Aufklärung. Bereits in der Schule lernen Kinder, dass es mehrere hundert Jahre dauert, bis eine Plastiktüte verrottet. In Radio und Fernsehen laufen regelmäßig Informationskampagnen. Selbst Denunzierung gehört zur Strategie: Die staatliche Umweltschutzbehörde REMA ermutigt jeden, gesetzeswidriges Verhalten zur Anzeige zu bringen. 

Ruanda gelang es, innerhalb von zehn Jahren ein Verbot von Plastiktüten durchzusetzen. Das reduzierte den gesamten Müll in dem Land maßgeblich. Quelle: https://pixabay.com | Autor: umbertobattista

In Ruanda gibt man sich mit dem Erreichten noch lange nicht zufrieden. Denn im „Land der tausend Hügel“ ist die Tendenz des anfallenden Abfalls trotz der Verbannung der Plastiktüten weiterhin stetig am Wachsen. Darum soll das Gesetz nun weiter verschärft werden: Künftig sollen auch Wasserflaschen aus Plastik, Strohhalme und Einweggeschirr verboten sein. Mittlerweile sind andere afrikanische Staaten dem Beispiel Ruandas gefolgt. Kenia erließ 2017 ein besonders scharfes Plastiktütengesetz. Bis zu vier Jahre Haft oder 40.000 US-Dollar Strafe drohen dort Plastiktütensündern. Das EU-Parlament hat im März 2019 ein umfassendes Verbot von Plastikprodukten wie Einweggeschirr und Strohhalmen bis 2021 auf den Weg gebracht. Doch auch in Europa gibt es Pioniere in Sachen Plastikvermeidung.

Mit Expeditionen und eigener Stiftung die Meere retten

Europäischer „Hidden Champion“ im Kampf gegen die globale Umweltverschmutzung ist das kleine Fürstentum Monaco. Hier an der Côte d’Azur steht besonders der Gewässerschutz im Fokus. Der Initiator dieses Engagements ist Fürst Albert II. Er bringt nicht nur Politiker, Wissenschaftler und Umweltaktivisten an einen Tisch, sondern ist auch persönlich weltweit im Einsatz.

Aktiv kämpft er gegen Plastikmüll und die Verschmutzung der Meere, wirbt für den Gewässerschutz und unterstützt mit seiner Stiftung zahlreiche Projekte. Für seinen Einsatz wurde Fürst Albert von Monaco bereits mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt im Juni 2018, als ihm der Europäische Kulturpreis von Klaus Töpfer verliehen wurde. „Was ist das für eine tolle Sache: Ein regierender Fürst ist Umweltaktivist“, würdigte der ehemalige Bundesumweltminister den Fürsten in seiner Laudatio.


Wie sehr ihm der Umwelt- und insbesondere der Gewässerschutz am Herzen liegt, verdeutlicht Fürst Albert II. schon kurz nach seiner Thronbesteigung. Kaum in Amt und Würden bricht er zu einer Expedition zum Nordpol auf, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Kurz nach seiner Rückkehr gründet er die „Fondation Prince Albert II de Monaco“. Seine Motivation: „Ich wollte dringend etwas zum Schutz der Ozeane beitragen.“ Er stattet die Stiftung mit einem Etat von mehr als 20 Millionen Euro aus.


Dabei stammt ein großer Teil des Geldes aus seinem Privatvermögen, den Rest steuert das Fürstentum bei. Die Stiftung widmet sich zahlreichen Umweltthemen, wie dem Klimawandel, der Biodiversität – und der Sauberkeit des Wassers sowie leichteren Zugang zu Wasserressourcen. Bis heute unterstützt die Stiftung mehr als 470 Initiativen und hat mittlerweile 55 Millionen Euro an Zuschüssen vergeben. Unter anderem findet sich unter den Projekten ein Unternehmen, das kleine Entsalzungsanlagen entwickelt, die – mit erneuerbaren Energien betrieben – überall dort ein­gesetzt werden können, wo Trinkwasser rar, Salzwasser jedoch vorhanden ist. 

Reduzieren. Wiederverwenden. Recyceln.

Auch im Fürstentum selbst wird Albert aktiv: Er lässt zum Schutz des Meeres und seiner Lebewesen ein Bio-Monitoring-Programm durchführen, das durch regelmäßige Messungen die chemische Qualität des Wassers und deren Auswirkung auf die Organismen untersucht. Er ruft die Ozeanwoche ins Leben, während der sich alljährlich in Monaco alles um den Schutz der Meere und die Internationale Zusammenarbeit in diesem Sinne dreht.


Mit dem Programm „Beyond Plastic Med“ unterstützt Albert von Monaco verschiedene Initiativen, die die Verschmutzungen der Meere reduzieren und Plastik entfernen. Mit Erfolg: Das Programm und seine Mitstreiter konnte erwirken, dass auf den Kapverdischen Inseln Plastiktüten verboten wurden. „Es ist ein großes Problem, den Müll zu entfernen. Insbesondere wenn Plastik zerfällt und dann als Mikroplastik in die Nahrungskette eintritt“, erklärt Fürst Albert und verdeutlicht: „Wir werfen Unmengen von Müll in die Ozeane. Natürlich nicht immer direkt. Sondern auch über verschiedene Flusssysteme.“ Etwa acht bis neun Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr in die Meere. Um dem entgegen zu wirken, reiche es aber nicht, Plastik richtig zu entsorgen. Man müsse Alternativen zum Plastik finden und sich an den Grundsatz halten: Reduzieren. Wiederverwenden. Und Recyceln. „Die kleinsten Handlungen können große Auswirkungen haben“, ermutigt der Fürst.

 

Durch seine Prominenz und seinen Einfluss ist Fürst Albert II. ein Vorbild für viele Menschen, die sich gegen die Verschmutzung der Erde stark machen. Während der Fürst aufzeigt, was jeder Einzelne bewegen kann, ist der ostafrikanische Staat Ruanda ein beeindruckendes Beispiel dafür, was von staatlicher Seite unternommen werden kann, um dieses Bestreben effektiv zu unterstützen. 

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